Welche Meinung vertreten Tierärzte? Soll man Hündinnen kastrieren?
Eine Hündin zu kastrieren ist ein großer Schritt. Die OP läßt sich nicht rückgängig machen. Deshalb scheuen sich viele Besitzer vor dem Schritt.
In welchen Fällen muss man von einer Kastration abraten?
Fall 1 Holly, die Burschikose
Holly ist eine Hündin, die bereits in der Welpenspielstunde durch burschikoses „Ellenbogen“-Verhalten auffällt. Sie stellt sich im Spiel gerne über die anderen Welpen, lässt diese nicht mehr aufstehen, ist im Verhalten sehr „bully“ und willensstark. Während alle anderen Welpen im Spiel mal oben mal unten liegen, ist Holly immer oben und gibt auch ungern nach. Immer wieder muss die Hundetrainerin sie ausbremsen.
In diesem Fall wäre zu klären, ob Holly‘s vermeintlich aggressives Verhalten vielleicht auch mit einer übermäßigen Erregung / Überforderung zu begründen ist.
Ebenso gut möglich wäre es auch, dass Holly zu der Gruppe der sogenannten 2-M-Female gehört.
Diese Hündinnen liegen als Embryo im Uterus zwischen zwei oder mehr männlichen Embryonen (Male – Female – Male = 2-M-Female).
Da Testosteron ein sehr kleines Molekül ist, kann es zwischen den Fruchthüllen der Kleinen hin und her diffundieren und beeinflusst die Hirnentwicklung der Hündin bereits im Mutterleib. Vor allem bei Würfen mit einer deutlichen Überzahl der Rüden sind die Hündinnen dem Einfluss des männlichen Hormons stärker ausgesetzt und es kann zu dieser „Vermännlichung“, einer sog. Virilisierung kommen.
Diese Hündinnen fallen von klein auf durch ein aggressiveres Verhalten als ihre gleichgeschlechtlichen Wurfgeschwister auf. Auch in der Welpenspielstunde kann diese Tendenz beobachtet werden.
Diese Hündinnen zu kastrieren, führt häufig zu einer Verschlechterung des Verhaltens. Denn mit der Entfernung der Eierstöcke fehlt das Gegengewicht zum Testosteron, das an anderer Stelle im Körper produziert wird.
Deshalb wäre es wichtig, vor der OP einen „Diagnostik-Spaziergang“ mit dem Besitzer und seiner Hündin zu machen oder sich aufgezeichnete Begegnungen des Tieres per Video anzuschauen.
In unserer Welpenspielstunde sprechen wir die Besitzer frühzeitig darauf an und raten zu einer Kastrationsberatung bevor sich die OP nachteilig darauf auswirken könnte.
Fall 2 Luna, Junghündin mit Vaginitis
Luna zeigte schon im Welpenalter immer wieder Ausfluss und wurde auch zweimal mit Antibiotika behandelt, weil sie eine heftige Cystitis (Blasenentzündung) hatte.
Die Entzündung der Scheide (Vaginitis) kann unangenehm sein. Weil sie meist bei jungen Tieren vorkommt, nennt man sie juvenile Vaginits (Junghund-Vaginitis). Die Hündinnen schlecken sich immer wieder, weil die Schleimhaut juckt oder brennt.
In diesen Fällen empfehlen wir auf jeden Fall, die Hündin einmal läufig werden zu lassen. Die Zellen der vaginalen Schleimhaut verändern sich, werden widerstandsfähiger und die juvenile Vaginitis kehrt in der Regel nicht mehr wieder.
In welchen Fällen sollte man eine Hündin kastrieren?
Fall 3 Abby – die melancholisch-aggressive Schein-Mama
Abby hatte eine unkomplizierte Läufigkeit. Aber einige Wochen nach Ende der Läufigkeit begann sie sich deutlich zu verändern.
Abby zog sich zurück. Sie war regelrecht depressiv und wollte nicht mehr Gassi gehen. Ihr Gesäuge wurde größer und sie trug immer wieder einen kleinen Teddy mit sich herum.
Richtig schlimm war sie draußen zu den anderen Hunden. Sie wurde in dieser Phase zickig, wollte nicht mehr spielen und nicht mehr rennen und war manchmal richtiggehend aggressiv. Diese deutlichen Veränderungen in der Scheinträchtigkeit wiederholen sich meist mit jeder Scheinträchtigkeit und manchmal kommmt es sogar zu einer Steigerung.
Die Hündinnen haben sozusagen „fiktive Jungen“, sie sind im Brut-Modus, wollen nicht mehr die Bruthöhle verlassen und sind – vor allem in der Nähe des eigenen Zuhauses – sehr defensiv anderen Vierbeinern – manchmal auch Menschen gegenüber.
Wenn Hund und Besitzer unter diesem Zustand sehr leiden, sollte die Kastration in Erwägung gezogen werden. Hier hilft es, das Verhalten per Video aufzunehmen und mit einer Fachtierärztin zu besprechen, was die richtige Lösung ist.
Die 3 wichtigsten Regeln beim Treppensteigen für Welpen:
- Den Welpe daran zu gewöhnen an der Treppe zu warten, um ihn dann unter Kontrolle die Treppen gehen zu lassen und man sollte das Maß im Auge haben. So ist es sinnvoll in der sensiblen Wachstumsphase und der anfänglichen Tollpatschigkeit den Hund lieber nur ein paar Stufen laufen zu lassen – wenn er dies überhaupt freiwillig macht – um ihn dann weiter zu tragen.
- Wichtig ist es auch die ersten Treppenerfahrungen nur an Treppen zuzulassen, die rutschfest sind. Glatte Mamor- und Holztreppen sind anfänglich unbedingt zu vermeiden.
- Wirklich gefährlich für Welpen in der Hauptwachstumsphase sind Sprünge z.B. über die letzten drei Treppenstufen um den „rettenden Fußboden“ zu erreichen. Aber genau das tun Hunde , die Angst vor Treppen haben, weil sie nicht rechtzeitig daran gewöhnt wurden. Vor allem das Ellenbogengelenk muß die Hauptlast dieses Sprungs abfangen und so kann es hier zu Knochenabsplitterungen kommen. Also die Treppen bis zur letzten Stufe in aller Ruhe gehen lassen, dann kann nichts passieren!
Kein Hüftschaden durch maßvolles Treppensteigen
In einer wissenschaftlichen Untersuchung (Richards et al. 2010 s.u.) wird gezeigt, dass bei Hunden das Hüftgelenk beim Treppensteigen nicht mehr in Anspruch genommen wird als auf geradem Untergrund. Vielmehr wird die enorme Beweglichkeit des Sprunggelenkes ausgenutzt, um dort den notwendigen Schwung zum Treppensteigen zu erzeugen. Somit kann auch hier die Angst vor eventuelle Spätfolgen für das Hüftgelenk genommen werden.
Das richtige Maß entscheidet!
Aufgrund der Fakten über die Beeinflussung des Knochen- und Muskelwachtsums können die Hunde in der sensiblen Zeit zwischen dem 4. und 7. Lebensmonaten Treppen ohne Probleme steigen und zwar mit Unterstützung durch den Besitzer und nach Augenmaß.
Dr. Kerstin Körber, Tierärztin für Osteopathie im Tiergesundheitszentrum München dazu: „Wer z.B. in Zeiten des Stubenreinheits-Trainings täglich alle 2 Stunden 4 Stockwerke zu erklimmen hat, der sollte den Welpen je nach Alter davon nur ein Stockwerk ein- bis dreimal täglich selbst die Treppe gehen lassen. Bis zum 7. Lebensmonat kann das Pensum dann langsam gesteigert werden.“
Auch die Tagesform des Hundes entscheidet, ob er alle Treppen laufen kann oder getragen werden muss. Zeigt der Hund nach langen Spaziergängen Ermüdung dann sollte er getragen werden.
Aber seien wir mal ehrlich: Der limitierende Faktor für das Tragen von großwüchsigen Hunderassen ist meistens das Gewicht des Hundes, denn der Rücken von Frauchen und Herrchen will auch geschont werden.
Quellen:
- RICHARDS, P. HOLLER, B. BOCKSTAHLER, B. DALE, M. MUELLER, J. BURSTON, J. SELFE and D. LEVINE (2010): A comparison of human and canine kinematics during level walking, stair ascent, and stair descent. Wien. Tierärztl. Mschr. – Vet. Med. Austria 97 (2010), 92 – 100.
- Hohmann, Mima: 2015 Bewegungsapparat Hund Bewegungsapparat Hund: Funktionelle Anatomie, Biomechanik und Pathophysiologie


