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Mein Hund bellt Besucher an

Wenn der Hund Personen anbellt, ist das nicht nur für diesen Menschen stressig, sondern auch für den Halter selbst. „Ist das Unsicherheit oder territoriales Verhalten?“ oder „Verteidigt mein Hund eigentlich mich oder meine Wohnung?“ Das sind häufige Fragen, die ich in der verhaltenstherapeutischen Sprechstunde gestellt bekomme. Die Antworten würden in den meisten Fällen lauten: „Wahrscheinlich trifft beides zu“

Um das Problem zu lösen, brauchst Du ein Grundverständnis für das Problem.

Ist territoriales Verhalten denn überhaupt ein Verhaltens-Problem?

 

Das Territorium gehört zu den Grundbedürfnissen unserer Vierbeiner und je nach Rasse oder Charakter ist die Territorialität mehr oder weniger ausgeprägt.

Wir Menschen sind auch sehr territorial. Wir haben Einträge ins Grundbuch, Türschlösser und Landesgrenzen, auf deren Übertretung jeder Mensch und jedes Volk unterschiedlich reagiert. Ebenso ist die Verteidigung des Territoriums bei unseren Vierbeinern je nach Rasse, Sozialisierung und Charakter mehr oder weniger ausgeprägt.

Das Haus, der Garten sind ein Territorium, aber auch das Auto und der tägliche Gassiweg können dazu gehören. Um Konflikte um das Territorium zu vermeiden werden z.B. Geruchsmarkierungen gesetzt.

 Aber das Leben mit uns Menschen ist für Hunde in dieser Beziehung nicht einfach. Wir halten uns nicht an die Regeln, die zwischen Hunden gelten. Wir besuchen uns gegenseitig in unseren Wohnungen (und bringen vielleicht sogar noch einen fremden Hund mit). Wir gehen in das Büro des Kollegen mit Hund, ohne uns beim Eintritt auf Hunde-Art unterwürfig zu verhalten. Wir unterschreiten bei der Begrüßung die kritische Distanz zum Hund, weil wir nicht sehen, dass er mehr Abstand möchte. Wir gehen auf dem Gehweg nah an dem geparkten Auto vorbei, weil der Gehweg nicht mehr Platz lässt.

 

Es gibt viele Beispiele, die echte Herausforderungen darstellen, wenn wir die Welt und ihre territorialen Grenzen aus den Augen der Hunde sehen. Das zu begreifen ist schon ein erster Schritt, um die Situation besser einzuschätzen und die Reaktionen unserer Hunde schneller voraussehen zu können.

 

Wenn Territorialität bedrohlich wirkt

 

Schwierig wird das Zusammenleben, wenn das Revierverhalten außer Kontrolle gerät. Wenn Hunde knurren und bellen oder mit Scheinattacken auf Menschen zuspringen, fühlen sich die Besitzer machtlos.

Die Ursachen für dieses Verhalten sind in der Regel multifaktoriell. Mögliche Faktoren sind:

 

Territoriale Veranlagung des Hundes: Wenn die Verteidigung der Wohnung selbstbelohnend ist

 

Es gibt Hunderassen, die mehr Territorialität aufweisen als andere. Immerhin haben wir Menschen bei der Domestikation des Hundes genau diese Eigenschaft selektiert. So blieben die Viehherden und das Hab und Gut durch die wachsamen Vierbeiner gut geschützt. Bei Rassen wie dem Hovawart (von Hof-Wart) zeigt schon der Name, was Programm ist. Chihuahuas haben nicht nur einen sehr empfindlichen Hörsinn sondern sind – ebenso wie der Spitz – von Haus aus wachsam und zeigen schnell die sog. „lockere Kehle“ beim Kommentieren ihrer Erregung. Und nicht zuletzt zeigen frühere Kloster-Wachhunde, wie der Leonberger oder der Bernhardiner zum Teil noch die Tendenzen ihrer Bestimmung aus den ersten Jahrhunderten ihrer Züchtungen.

Einige Länder, die bis heute noch Vieh in den Weiten der Natur hüten, welches vor Bären, Wölfen oder Dieben beschützt werden muss, haben ihre Hirtenhunde, die eine ausgeprägten Drang zeigen, ihre „Herde“ aber auch das Heim zu beschützen. (Hirten-Hunde sollten in diesem Zusammenhang nicht mit Hüte-Hunden verwechselt werden!)

 

Schlechte Sozialisierung macht Angst macht Aggressives Verhalten

 

Mangelnde Stimulation und mangelnde Erfahrung in der sensiblen und kritischen Periode der Welpen-Entwicklung führt nicht nur zu schnell erregbaren Tieren, sondern der Mangel an Erfahrung z.B. mit unterschiedlichen Menschen lässt natürlich die Gruppe der „üblichen Verdächtigen“ aus den Augen des Hundes um eine Vielzahl ansteigen.

Aus der Perspektive dieser Hund können Menschen mit Hüten oder Uniformen, große Männer mit schwerem Schritt oder dem Handwerkerkoffer in der Hand oder unruhige Kinder, die altersgemäß spontan sind eine potenzielle Bedrohung darstellen.

Und wenn diese Bedrohung auch noch in den Garten läuft oder vor der Haustüre steht, fällt die territoriale Reaktion auch mal heftiger aus.

 

Mangelnder Halt durch den Hundebesitzer ist gefährlich

 

Wer im Rudel weiter unten steht hat zwar weniger Privilegien aber diese Position hat auch ihre Vorteile: Man muss sich nämlich um ‚Nix‘ kümmern. Das machen diejenigen, die im Rudel das Sagen haben.

Was aber, wenn das alltägliche Zusammenleben hier keine Klarheit schafft? Wenn der Hund sein Frauchen oder Herrchen manipuliert, Aufmerksamkeit bekommt, wann und wie er sie will, ein „Nein“, wenn überhaupt, dann nur vorübergehende akzeptiert? Dann kann genau so ein unklares Verhältnis dazu führen, dass aus dem Motto „nicht mein Job!“  ein „Hier kommt Superman und löst das Problem für Euch!“ wird.

Im Grunde also sehr redliche Absichten, denn der Hund macht nur, was seiner Position und seiner Neigung entspricht. Leider wird gerade dieser Zusammenhang oft nicht erfasst. Schließlich ist es schwierig, die eigene Beziehung zum Hund objektiv zu analysieren.

 

Negative emotionale Erfahrungen durch Bestrafung

 

Ein trauriges Thema, denn wenn der Hund, der „seinen Job“ macht, dann dafür auch noch bestraft wird, kann sich das negative Gefühl gerne mal mit dem Auslöser – sprich: den Besucher oder den Eindringling – verbinden. „Alles war gut – bis der Handwerker kam! Dann hab‘ ich meinen Job gemacht und das Heim verteidigt, daraufhin ich wurde am Nacken gepackt, über den Fußboden gezogen und in ein Zimmer gesperrt!“ Hundelogik: Ich muss in Zukunft noch besser dafür sorgen, dass Handwerker unserem Heim fernbleiben!

Schimpfen, Schreien oder mehr – Bestrafung für das territorial-aggressive Verhalten führt nicht dazu, dass der Hund sich in Zukunft friedlicher verhält. Im Gegenteil!

 

 

Mangelnde Auslastung als Ursache aggressiven Verhaltens beim Hund

 

Die Reizschwelle für jedes Verhaltensproblem hängt stark von der Energie ab, die übrig bleibt, um sich auf das ein oder andere Hobby zu konzentrieren.

Bildlich gesprochen: Wenn ein Vierjähriger nach 5 Tagen mit wenig Bewegung und körperlichem Spiel zu Besuch bei Tante Anna ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Nachmittag mindestens unterhaltsam und im schlimmsten Fall sehr anstrengend wird.

Unsere Hunde suchen sich ein Hobby, wenn wir sie nicht auslasten. Und meistens entspricht diese „Freizeitbeschäftigung“ nicht unserer Vorstellung von einem entspannten Begleiter.

Wenn das „Bewachen“ im genetischen Programm des Tieres weiter oben steht, dann ist das Risiko, dass unser Vierbeiner einen echten „Kick“ aus dem Bellen am Zaun gewinnt, deutlich erhöht.

Körperliche und geistige Auslastung, viel Freilauf, um „Hund“ sein zu dürfen sind die Basis für einen ausgeglichenen Begleiter.

 

Territorialer Aggressivität von Anfang an gegensteuern

 

„Ich wusste gar nicht, dass mein Hund bellen kann!“ – ein belustigter Ausruf vieler Hundebesitzer eines Junghundes. Die Situation, in der der Hund zum ersten Mal bellt ist meist eine, die er als bedrohlich empfindet. Wir sollten diese ersten Reaktionen ernst nehmen und das Training von an Anfang darauf konzentrieren, dass unser Hund wenig Stress hat und sich auf uns verlassen kann.

Kann ich territorial aggressives Verhalten von klein auf verhindern? Was kann ich tun?

Zunächst sollte man darauf achten, dass der kleine – und sooo süße Hund – vom Besuch nicht als erster begrüßt wird. Auch diese übergroße Begeisterung für den kleinen Welpen, überträgt sich auf den Hund und die Gesamtsituation. Und aus der übertriebenen Aufregung bei Besuch kann schnell auch ein übertriebenes Bellen beim Klingeln werden.

  • (Auch beliebte) Besucher nicht zuerst begrüßen lassen

Egal, wer zu Besuch kommt und ob der Hund die Person nun mag oder nicht – wenn wir ihn an die Haustür rennen lassen, dann bekommt er den Job des Türstehers. Auch wenn der Türsteher jemanden hinein läßt weil er ihn mag und kennt – er bleibt der Wächter an der Tür. Wenn wir nicht wollen, dass unser Hund den Briefträger anbellt, darf er nicht als erster die beste Freundin begrüßen.

  • Kein freier Aktionsradius in Haus und Garten

Allein in den Garten gelassen zu werden, eine offene Terrassentür zur freien Verfügung oder freier Aktionsradius im Büro sind auf Dauer ein von uns unterschriebener Arbeitsvertrag für unseren Hund. Übersetzt heißt das: „Pass auf den Garten (oder auf das Büro) auf! Viele Grüße Frauchen“

Wenn ein Hund ständig frei über seine Bewegung im Territorium verfügen darf, dann ergibt sich daraus aus seinen Augen auch die Pflicht, darauf aufzupassen. Kommt dann noch einer oder mehrere der oben genannten Faktoren hinzu, kann sich schnell ein Problem entwickeln.

  • Rechtzeitiges Training ausserhalb der kritischen Situation

Statt zu A-gieren, Re-agieren wir oft nur auf das Bellen, sind in unseren Reaktionen viel zu spät dran und beweisen damit aus den Augen unserer Hunde nur unser Unvermögen wirklich gut auf das Zuhause aufzupassen.

Unsere Hunde hören besser als wir und riechen die Eindringlinge durch den Türschlitz am Boden – Eigenschaften, gegen die wir nicht ankommen.

Wenn wir IN der kritischen Situation erst mit der Erziehung anfangen, sind wir viel zu spät dran. Um territorial aggressives Verhalten zu kontrollieren, brauchen wir Verhaltensalternativen, die wir in ruhigen Situationen mit viel Spaß und positiver Verstärkung mit unserem Vierbeiner trainieren.

Dazu gehören:

Deckentraining

Klingeltraining und erst zum Schluss auch Besuchertraining.

Wenn alle Glieder dieser Kette einzeln gut mit positiver Verstärkung trainiert sind, erst dann können wir sie zusammenfügen und im Alltag einsetzen.

Dein Hund bellt Besucher oder Passanten an?

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 Tierärztin für Verhaltenstherapie und Hundetrainerin Dr. Astrid Schubert
(30 Minuten/ 45 €) 

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Hunde besser verstehen
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Wenn der Hund Personen anbellt

Erkenntnisse aus der Verhaltens-Sprechstunde: 

Die meisten Hunde tun einfach nur Ihren Job. Viele Besitzer merken gar nicht, dass Sie durch ihr eigenes Verhalten schon vor langer Zeit einen Arbeitsvertrag unterschrieben und abgestempelt haben. 

„Bitte, Hund, verteidige mein Grundstück, meine Wohnung und vielleicht auch mich!“

In der Verhaltenstherapeutischen Sprechstunde besteht die spannende Herausforderung darin, herauszufinden, wie genau dieser Auftrag versehentlich erteilt wird und was wir tun können, um genau das zu ändern. 

Hier stellt sich jede Hund-Besitzer-Konstellation anders dar und bedarf einer anderen Unterstützung. Dehsalb gibt es auch keine Standard-Therapiepläne für bellende Hunde. 

Jeder Hund ist anders. Jeder Halter auch. Und jedes Coaching ist ein ganz eigene Reise auf dem Weg zu mehr Verständnis und einem guten Zusammenleben.

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